Die Presse und der Krieg

14. August 2008 - Leave a Response

Lange habe ich nichts von mir hören lassen und auch jetzt möchte ich nur kurz auf einen Text bei Indymedia hinweisen, der meiner Meinung gut erfaßt, wie die hiesigen Medien während des Konflikts um Südossetien gearbeitet haben (oder nicht gearbeitet haben) sowie eigene Eindrücke schildern und einige Tatsachen darlegen, wie ich sie unter anderem russischen Medien entnommen habe.

Zunächst der Link:
Das Unbehagen von Tagesschau, SpiegelOnline & Co

Wie tendenziös die deutschen Medien sich gegeben haben, wird immerhin in einem Satz erwähnt und für mich ist es nur schwer verständlich, wie es immer wieder geschehen konnte, dass in Medien, die dem sog. Qualitätsjournalismus zu zurechnen, sich immer wieder nur auf die Aussagen Saakaschwilis berufen konnten.

Ein Grund könnte sein, dass er seine Verlautbarungen, die ja eigentlich an die GeorgierInnen gerichtet sein sollten, ausschließlich auf Englisch ausstrahlen ließ – und sie somit den westlichen Journalisten leicht zugänglich waren. Anscheinend konnte man niemanden finden, der des Russischen oder Georgischen mächtig ist – vom Ossetischen ganz zu schweigen.

Erstaunt hat mich außerdem, dass im Deutschlandradio ein Interview mit einer “Osteuropaexpertin” geführt wurde, die aber anscheinend nicht einmal die russische Berichterstattung zur Kenntnis genommen hatte und sich lediglich auf deutsche Medien zu berufen schien… Wie kann sich jemand “Osteuropaexperte” nennen, ohne einige wichtige Sprachen dieser Region (zu denen ich das Russische wohl zählen möchte!) zu beherrschen?

Es gäbe noch viel zu sagen und zu analysieren. Ich werde es aber vorerst hierbei belassen, möchte allerdings noch hinzufügen, dass gestern in Russland ein Trauertag verbunden mit einer Schweigeminute für die Opfer dieses Krieges ausgerufen wurde.

Diese Opfer bestanden zum größten Teil aus OssetInnen, die auch gezielt umgebracht wurden. Durch eine deutsche Quelle – die Tagesschau berichtete vor kurzem – ist eine Zeugenaussage hierfür belegt. Menschen sind von georgischen Miltärangehörigen in eine Kirche getrieben worden, die dann zum Einsturz gebracht wurde. Im russischen Fernsehen erzählte gestern ein alter Mann, wie georgische Soldaten durch die Straßen gefahren sind und auf Ossetisch (!) riefen, dass der Krieg vorbei sei, woraufhin die Menschen aus ihren Verstecken auf die Straße kamen. Sie wurden dann von den patrouillierenden georgischen Militärangehörigen erschossen.

Nicht zu vergessen ist auch, dass russische Blauhelmsoldaten von georgischen umgebracht wurden…

Dies sind nur einige Argumente, die dem Bild des Krieges, wie es inzwischen vermittelt wird, und der Rolle, die Russland dabei zugeschrieben wird, widersprechen. Sie sollen zum Denken anregen.

SüdossetInnen sind übrigens keine RussInnen. Ihre Sprache, das Ossetische, gehört der Sprachfamilie der Iranischen Sprachen an. Viele SüdossetInnen sind jedoch im Besitz rußländischer Pässe und somit auch Staatsbürger Russlands.

Sick und Co.

27. Mai 2008 - Leave a Response

Der Mai ist schon fast vorbei und ich, ja, ich habe lange nichts geschrieben. Die Zeit, sie fehlt.

Deshalb für alle, denen Leute wie Bastian Sick – bitte, mit scharfem “s”, wie im englischen Wort “sick” aussprechen, so halte ich das zumindest ;-) – schon immer auf die Nerven gingen, hier ein Interview in Wort und Ton mit dem Potsdamer Linguisten Peter Eisenberg.

Einfach sehr schön anzuhören, weil viele Argumente für eine lebendige Entwicklung der Sprache dargelegt werden und Freunden des normativen Sprachgebrauchs der Wind aus den Segeln genommen wird.

Interview in Wort

Interview in Ton

Übrigens, “dem” ist zum Beispiel im Jiddischen, das man durchaus als deutschen Dialekt bezeichnen kann, ein Genetiv bzw. Genitiv: ‘dem paiklerß orem’ (des Schlagzeugers Arm, der Arm des Schlagzeugers).

Von daher ist der Dativ dem Genitiv nicht unbedingt sein Tod, sondern könnte auch einfach eine dialektale Variante sein. Das würde dann heißen, dass in diesem Zusammenhang, der Dativ kein Dativ, sondern ein Genitiv ist. Meines Wissens gibt es im Berlinischen auch die Form “dem” als Genitiv: ‘Dem Fritze sein Bruder’ oder so ähnlich…

Falls jemand, der/die sich mit Dialekten auskennt auf meine Anmerkung stößt, würde ich mich über eine weitere Aufklärung freuen!

Warum Marx?

29. April 2008 - Leave a Response

Mit diesem Titel widmet sich das Institut für Geschichte und Kunstgeschichte der TU Berlin einer Ringvorlesung zu Marx’ Bedeutung für die heutige Wissenschaft, die zur weiteren Auseinandersetzung mit diesem Denker anregen soll. So zumindest die Aussage auf der Institutswebsite, die wahrscheinlich auf die beiden OrganisatorInnen Prof. Dr. Christian Jansen und Prof. Dr. Monika Wienfort zurückgeht.

Der Einstieg findet am 5. Mai, dem Geburtstag von Marx, unter dem Titel “Karl Marx als Politiker” statt. Der Referent ist Jürgen Herres, ein ausgewiesener Marx-Forscher und Mitherausgeber der Marx-Engels-Gesamtausgabe (MEGA), die wiederum als Projekt bei der der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften angesiedelt ist.

Uhrzeit: 18.00 Uhr

Ort: Das Hauptgebäude der Technischen Universität Berlin (Straße des 17. Juni 135), Raum H 1012.

Interessant geht es dann auch weiter: Es folgen Vorträge zu “Marx und die Globalisierung”, der Aktualität seiner Geschichtsphilosophie heute, zum “18. Brumaire” und eine Abschlußdiskussion, die noch einmal thematisiert, was von Marx bleibt.

Und da die Räume wechseln und einige bestimmt gern Genaueres zu den Themen wissen möchten, kommt hier noch einmal das komplette Programm:

Warum Marx?

(Genau! Einfach auf den blauen Text klicken :-) )

“Der Islam gehörte immer zu Europa”

15. April 2008 - Leave a Response

So der Titel eines interessanten Interviews der taz vom 14. April 2008 mit dem Historiker Michael Borgolte, der ganz im Gegensatz zu seinem Kollegen Hans-Ulrich Wehler (siehe z. B. hier und hier ) eine differenzierte und tatsächlich historische Sicht vertritt.

Zum Interview!

Freunde erkennen

19. März 2008 - Leave a Response

Im Zweiten Weltkrieg war es für die Alliierten verständlicherweise wichtig, Freund und Feind unterscheiden zu können, um nicht gegen den Falschen das Feuer zu eröffnen.

Deshalb wurden Poster wie dieses kreiert:

Your friend

Eigentlich hätte man natürlich Bezug auf die gesamte Sowjetunion nehmen müssen, aber für die Allgemeinheit verständlicher und prägnanter war wohl die Bezeichnung “Russisch”, obwohl in der sowjetischen Uniform natürlich auch TatarInnen oder ArmenierInnen, um zwei Beispiele zu geben, gegen Nazideutschland kämpften.

Weitere Poster der Serie können z. B. hier angeschaut werden.

Zum Frauentag

10. März 2008 - Leave a Response

Mit etwas Verspätung ein historisches Plakat aus dem Jahre 1932.

8marta1.jpg

“Der 8. März – Tag des Aufstands der Arbeiterinnen gegen die Sklaverei der Küche.

Nieder mit dem Joch und dem Spießertum des häuslichen Lebens!”

Staatliche Unabhängigkeiten

6. März 2008 - Leave a Response

Nachdem sich das Kosovo einseitig unabhängig erklärt hat und sogar international als Staat anerkannt wurde, will nun auch Südossetien diesen Schritt tun. Am Freitag möchten Abchasien und Südossetien die Teilnehmer eines informellen Treffens der GUS bitten, sie anzuerkennen. Abchasien hatte sich bereits am Sonntag von Georgien losgesagt und auch Südossetien möchte diesem Beispiel bald folgen.

Wenn man bedenkt, was die Südosseten in den letzten beiden Jahrzehnten durchgemacht haben, sollte man denken, dass es ihr gutes Recht ist, nun zu versuchen, sich von Georgien endgültig loszusagen. Allerdings stellt sich auch die Frage, was man von all den nationalen Bewegungen, die seit 1990 wieder salonfähig geworden sind, überhaupt halten soll. Ich persönlich halte überhaupt nichts von Nationalismus – welcher Spielart er auch sei. Ob die Akteure nun von den Medien als Freiheitskämpfer (Kososvo) oder als Separatisten (Basken, Südosseten) bezeichnet werden, einen Unterschied sehe ich nicht. Denn eine Abspaltung von Gebieten bringt meist keine Besserung der Gesamtlage der betreffenden Regionen und der neu entstandenen Länder. Wichtig ist vielmehr die Unterstützung einer “Kultur der Toleranz”, wenn man das so nennen kann. Viele Gräben werden nämlich erst künstlich zwischen den unterschiedlichen kulturellen und/oder sprachlichen Gruppen gegraben. In afrikanischen Ländern hat hierbei zum Beispiel der europäische Kolonialismus eine nicht kleine Rolle gespielt, wie ja bekannt ist. In anderen Regionen führten Zusammenbrüche von Staatenverbänden, die nicht jeder “ethnischen” Gruppe gerecht geworden waren, zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen “Volksgruppen”. Selbst in Deutschland kann man künstliche Konflikte erkennen. Man denke nur an die Immigrationsdebatten, den Begriff “Leitkultur” etc. Oft wird so getan, als ob Menschen mit unterschiedlichen kulturellen oder sprachlichen Hintergründen einfach nicht zusammenleben können. Besonders stark angegriffen werden in letzter Zeit in Deutschland lebende Muslime, die fast schon unter Generalverdacht stehen.

Das Problem muss deshalb an der Wurzel gegriffen werden. “Wie?”, das ist eine Frage, die ich hier und jetzt natürlich nicht beantworten kann. Dazu bedarf es weitreichender Analysen der einzelnen Konflikte und eines breiten Vergleichs derselben. Vielleicht ist es schon ein kleiner Schritt, wenn ‘Staat’ und ‘Ethnie’ nicht gleichgesetzt werden – und man “ethnische” Konzepte an sich abschafft und gleichzeitig jeder Sprache und Kultur gerecht wird, aber den einzelnen Menschen nicht nur darüber definiert. Denn über das 19. Jahrhundert sollten wir schon hinaus sein, könnte man zumindest meinen.

Um aber zurück zu den konkreten staatlichen Unabhängigkeiten zu kommen, so würde ich sagen: Alle oder keine. Da man aber schon angefangen hat, dürfen wir uns bald schon auf weitere Nacheiferer freuen. Davon könnte auch die EU betroffen werden. Man denke an die Flamen und Wallonen, an die schon genannten Basken, an die Schotten, um nur ein paar Minderheiten zu nennen.

Man denke aber auch an die russischen Minderheiten in den baltischen Staaten. Vielleicht kommen die ja auch irgendwann auf die Idee, sich unabhängig zu erklären und einen eigenen Kleinstaat zu gründen…

Klingt alles sehr unwahrscheinlich? Kann sein! Aber, wer hätte in den 1960er Jahren schon an ein Auseinanderbrechen Jugoslawiens geglaubt? Nein, da wird schon nichts passieren. Gedanklich experimentieren kann man allerdings mal, indem man einiges in seine nächste Umgebung projiziert. Außerdem ist ja jetzt Europa so etwas wie ein “einig Vaterland” – man muss sich nur noch mit allen Mitteln gegen die Armen der Welt abschirmen, mit deren Armut “wir” Europäer natürlich nichts zu tun haben…

Nachdenklichkeit

20. Februar 2008 - Leave a Response

Ich würde sagen, dass der Film “Der Tag der Befreiung” von Martin Blankemeyer eine Parabel auf den gesellschaftlichen Umgang mit Kritik und mit der Offenlegung von Mißständen ist, aber es lassen sich bestimmt, wenn man weiter darüber nachdenkt, noch viele andere Interpretationsmöglichkeiten finden…

Denn mal to!

Geschlechterstereotype mit Bart?

6. Februar 2008 - Leave a Response

Interessant wieviel noch von gut 150 Jahre alten Geschlechterstereotypen in der heutigen Zeit herumspukt…

In psychischer Beziehung überwiegt bei dem W-e die Gefühlsseite. Während die Handlungsweise des Mannes durch Grundsätze, welche aus Überlegung u. Vernunftschlüssen hervorgehen, bestimmt wird, folgt das W. im Leben mehr ihren Gefühlen u. einem instinctmäßigen Empfinden des Schicklichen u. Schönen, welches nebst einem sehr oft hervortretenden Scharfsinn u. schnelleren Überblick der Verhältnisse dasselbe richtig leitet; während der Mann vermöge seiner höhern Geistes- u. Körperkraft den Kreis seines Wirkens über die Grenzen seines Hauses u. seiner Familie hinaus zu erweitern strebt u. nur als nützliches Glied der Staatsgesellschaft einen größern od. geringern Werth sich erringt, ist das W. auf ihr Haus angewiesen, kann in diesem Kreise als Hausfrau u. Mutter das Bild ihres ganzen Geschlechts repräsentiren, das höchste Ziel erreichen, welches die Natur dem ganzen Geschlechte vorgesteckt hat, u. findet im Besondern u. im engern Kreise sein Glück, seine Bestimmung;
[Lexikon: Weib. Pierer's Universal-Lexikon, S. 246632/246633 (vgl. Pierer Bd. 19, S. 14) http://www.digitale-bibliothek.de/band115.htm, Erscheinungsjahre der 4. Aufl: 1857 - 1865]

Kommt da irgendetwas irgendwem bekannt vor?

Zur Verdeutlichung hier ein Zitat von Fritz Hermanns aus einem Aufsatz, der sich mit Diskursen beschäftigt und als Beispiel den Geschlechterdiskurs in Lexikonartikeln thematisiert:

Scheinbar geht es dabei nur um die Vorstellungen davon wie die Geschlechter von Natur aus seien, also um die Ontik. Doch in Wahrheit geht es ebenso um die Deontik, d. h. darum, wie sich Frauen Männern gegenüber zu verhalten haben, wie sie sich verhalten sollen. [...] Es geht also um Einstellungen. Von den Frauen wird immer (implizit) verlangt, dass sie sich so verhalten, wie sie eigentlich ja sowieso sind. Das ist eine Denkfigur, die wir auch heute noch plausibel finden.
[Fritz Hermanns (2007): Diskurshermeneutik. In: Warnke, Ingo H. (Hg.): Diskurslinguistik nach Foucault. Berlin - New York: Walter de Gruyter, S. 187 - 210]

Da muß man ihm wohl recht geben. Denn wie sonst wäre es zu erklären, dass Eva Herman und Konsorten solche Erfolge feiern konnten und können? Der Mensch ist für eine Argumentation, die etwas als natürlich behauptet, anscheinend sehr empfänglich und hinterfragt solche Gedankengebäude nicht weiter. Es ist schließlich die Natur, die da waltet – da kann man nichts machen! Doch, solche Pseudotheorien im täglichen Umgang mit Menschen umstürzen!

Doch zurück zu diesem famosen Lexikon und dem Artikel “Weib”. Munter wurden hier auch Geschlechterstereotype mit ethnischen Stereotypen gemischt – et voilà:

Die russischen Frauen stehen im Auslande in keinem hohen Ruf u. im Lande in keiner hohen Achtung; es fehlt ihnen Sinn für Stille, Einfachheit, Thätigkeit u. Wirthschaftlichkeit. Wo sich Glanzpunkte für die russische Frauenwelt herausstellen, da sind gewöhnlich die Kaiserinnen von deutscher Geburt mit anregendem Beispiel vorangegangen, wie der Frauenverein in Petersburg, welcher sich unter der Kaiserin Alexandra, Gemahlin des Kaisers Nikolas, gebildet hat u. welchem mehre Waisenschulen ihr Entstehen danken. In den untern Ständen tritt der slawische Charakter deutlich hervor; die W-er spielen eine ganz untergeordnete Rolle. Den natürlichen Teint verderben die Russinnen durch häufigen Gebrauch der Schminke u. der Mißbrauch der Dampfbäder macht ihre Reize früh welk u. schlaff. In den männlichen, kräftigen Formen wohnt viel sinnliche Liebe u. glühende Leidenschaft.
[Lexikon: Weib. Pierer's Universal-Lexikon, S. 246647/246648 (vgl. Pierer Bd. 19, S. 17)
http://www.digitale-bibliothek.de/band115.htm, Erscheinungsjahre der 4. Aufl: 1857 - 1865]

Wieviel davon heute noch im Umlauf ist… Nun, das läßt sich leicht selbst herausfinden…

“F-Wörter. Neue Feminismen und veraltete feministische Theorie?”

29. Januar 2008 - Leave a Response

Diese Frage wollen Sabine Hark, Hilal Sezgin und Thea Dorn am 14. Februar 2008 diskutieren.

Wo? Hauptgebäude der TU Berlin, Raum H 3005 (Straße des 17. Juni 135).

Wann? 14. Februar 2008, 18.00 Uhr.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Ringvorlesung “Wissenschaft trifft Öffentlichkeit” statt und sei hiermit noch einmal allen ans Herz gelegt.