Lange habe ich nichts von mir hören lassen und auch jetzt möchte ich nur kurz auf einen Text bei Indymedia hinweisen, der meiner Meinung gut erfaßt, wie die hiesigen Medien während des Konflikts um Südossetien gearbeitet haben (oder nicht gearbeitet haben) sowie eigene Eindrücke schildern und einige Tatsachen darlegen, wie ich sie unter anderem russischen Medien entnommen habe.
Zunächst der Link:
Das Unbehagen von Tagesschau, SpiegelOnline & Co
Wie tendenziös die deutschen Medien sich gegeben haben, wird immerhin in einem Satz erwähnt und für mich ist es nur schwer verständlich, wie es immer wieder geschehen konnte, dass in Medien, die dem sog. Qualitätsjournalismus zu zurechnen, sich immer wieder nur auf die Aussagen Saakaschwilis berufen konnten.
Ein Grund könnte sein, dass er seine Verlautbarungen, die ja eigentlich an die GeorgierInnen gerichtet sein sollten, ausschließlich auf Englisch ausstrahlen ließ – und sie somit den westlichen Journalisten leicht zugänglich waren. Anscheinend konnte man niemanden finden, der des Russischen oder Georgischen mächtig ist – vom Ossetischen ganz zu schweigen.
Erstaunt hat mich außerdem, dass im Deutschlandradio ein Interview mit einer “Osteuropaexpertin” geführt wurde, die aber anscheinend nicht einmal die russische Berichterstattung zur Kenntnis genommen hatte und sich lediglich auf deutsche Medien zu berufen schien… Wie kann sich jemand “Osteuropaexperte” nennen, ohne einige wichtige Sprachen dieser Region (zu denen ich das Russische wohl zählen möchte!) zu beherrschen?
Es gäbe noch viel zu sagen und zu analysieren. Ich werde es aber vorerst hierbei belassen, möchte allerdings noch hinzufügen, dass gestern in Russland ein Trauertag verbunden mit einer Schweigeminute für die Opfer dieses Krieges ausgerufen wurde.
Diese Opfer bestanden zum größten Teil aus OssetInnen, die auch gezielt umgebracht wurden. Durch eine deutsche Quelle – die Tagesschau berichtete vor kurzem – ist eine Zeugenaussage hierfür belegt. Menschen sind von georgischen Miltärangehörigen in eine Kirche getrieben worden, die dann zum Einsturz gebracht wurde. Im russischen Fernsehen erzählte gestern ein alter Mann, wie georgische Soldaten durch die Straßen gefahren sind und auf Ossetisch (!) riefen, dass der Krieg vorbei sei, woraufhin die Menschen aus ihren Verstecken auf die Straße kamen. Sie wurden dann von den patrouillierenden georgischen Militärangehörigen erschossen.
Nicht zu vergessen ist auch, dass russische Blauhelmsoldaten von georgischen umgebracht wurden…
Dies sind nur einige Argumente, die dem Bild des Krieges, wie es inzwischen vermittelt wird, und der Rolle, die Russland dabei zugeschrieben wird, widersprechen. Sie sollen zum Denken anregen.
SüdossetInnen sind übrigens keine RussInnen. Ihre Sprache, das Ossetische, gehört der Sprachfamilie der Iranischen Sprachen an. Viele SüdossetInnen sind jedoch im Besitz rußländischer Pässe und somit auch Staatsbürger Russlands.
– schon immer auf die Nerven gingen, hier ein Interview in Wort und Ton mit dem Potsdamer Linguisten
)
