Kleist-Jahr ist ja auch…

Und da habe ich doch etwas gelesen, was mich berührt hat. Das fiktive Tagebuch der Henriette Vogel. Wer ist das denn? Das ist die Frau, die mit Kleist in den Freitod ging und nur als eben diese bekannt wurde.

Der Autorin Karin Reschke gelingt es außerordentlich gut, den Ton der Zeit zu treffen und doch gegenwärtig zu bleiben. Als ob Henriette gestern erst verstorben wäre und man sich in ihre Aufzeichnungen mit leichtem Schauern, entdeckt zu werden, vertieft.

Kleist tritt eher zufällig auf und wirkt zunächst auch völlig nebensächlich. Ein verkrachter Schriftsteller, mit dem sie sich anfreundet. Mehr zunächst nicht. Doch sind sie in ihrer Lebensmüdigkeit derart seelenverwandt, dass sich auch ihre Freundschaft vertieft – bis in den Abgrund des Todes.

Ein poetisches Buch.

Karin Reschke, Verfolgte des Glücks. Findebuch der Henriette Vogel, Rotbuch, Berlin 1982 u. ö. Leider vergriffen und zum Kleistjahr auch nicht neuaufgelegt worden…

Auch zu empfehlen: Die Lobrede “KARIN RESCHKE oder der Doppelselbstmord am Kleinen Wannsee” Marcel Reich-Ranickis in ders., Lauter Lobreden, dtv, München 1992 u. ö, S. 163 – 173.

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